Mindelo – Kapverden / Gestern Abend hatten Stephan und ich eine wunderbare Verbindung per Skype. Das wird nun unser Kommunikationsmittel werden, denn mit der EU-Flatrate ist es nun vorbei. Stephan und Bernhard sind nun in der Marina in Mindelo. Mein Kapitän ist glücklich.
Eine wunderschöne Überfahrt hatten sie. Am Anfang noch etwas Gegenwind und sie mussten kreuzen, was bei 820 Seemeilen schon ganz schön frustrierend ist, denn dann wird die Fahrt noch länger. Aber die beiden nahmen es so hin und freuten sich dann auch an der Flaute, bei der sie einfach ins Meer sprangen und zwei Schildkröten beim Liebemachen zusahen. Die Schildkröten umschwammen tausende Fische und Putzerfische und Stephan war ganz glücklich, dies alles mit seiner GoPro aufnehmen zu können. Leider stellte er erst später fest, dass der Akku alle war. So schade!
Dann hatten sie guten Wind und nochmals eine Flaute kurz vor den Kapverden. Dort bekamen sie Besuch von einem Falken, der sich auf der Ankerwinsch niederließ. Sie lasen, kochten und genossen das Segeln – alles ohne Motor. Morgens um 4 Uhr kamen sie dann in Mindelo an, ließen den Anker runter und machten erst mal ein paar Dosen Bier auf – während der Überfahrt lebten sie beide ohne jeglichen Alkohol (was ja auch gesund ist, Anmerkung Nela). Am nächsten Tag klarierten sie problemlos ein, verlegten sich in die Marina, bekamen gleich eine Einladung zum TO-Stützpunkt-Treff (TO steht für Trans-Oceon e.V. und ist der Verein für Hochseesegler, in dem wir auch Mitglied sind und die Stützpunkte auf der ganzen Welt haben mit Menschen, die sich vor Ort auskennen und die den Segler helfen und auch Segler sind) und waren angekommen. „Ich liebe Afrika“, schrieb mir Stephan als SMS. Ja, das ist die Welt meines Seglers und er freut sich schon wieder auf’s Segeln und ich freue mich, dass er es nun genießen kann.
Erstmal werden die beiden für 10 Tage in Mindelo bleiben. Es gibt einiges zu reparieren: der Windgenerator hat zwei Blätter angeknackst, die kleine Herdflamme funktioniert nicht und das Pactor-Modem macht Sorgen. Er bekommt keine Nachrichten raus, so dass er deswegen auch nicht von unterwegs schreiben konnte. Und wenn er Zeit hat, wird er uns bestimmt persönlich über seine Erlebnisse berichten und ein paar Bilder ins Netz stellen, aber die Kapverden sind halt nicht mehr Europa, wo überall Internetverbindungen sind. Und dann muss wieder Wäsche gewaschen werden, Essen eingekauft und die Insel besichtigt werden, bevor es weiter geht auf die anderen Inseln. Wir dürfen gespannt sein, was Chenoa mit Kapitän und Skipper noch alles erlebt.
Und eine kleine Nachricht aus der Heimat: Ab 2. November beginne ich zu arbeiten. 50 %, so wie ich es wollte. Es ist eine schöne Aufgabe in einer reitzenden Villa in Stuttgart. Und die restliche Zeit habe ich für mich, für Stadtführungen und für die Flüchtlingsarbeit. So komme ich wieder dort an, wo ich mich wohler fühle und Stephan soll sein Abenteuer bestehen und sich wohl fühlen. Und in ein paar Jahren werden wir uns vor dem Kamin unsere Erlebnisse erzählen.
Es grüßt euch ganz herzlich
Nela